Themenkomplex Behinderung und Geschlecht

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Jeder, der nicht nach seinen Eltern schlägt ist eigentlich eine Monströsität, denn in diesem Fall hat sich die Natur verirrt und ist von ihrer Wurzel abgekommen. Der erste Anfang dieser Verirrung ist, wenn eine Frau anstatt eines Mannes entsteht.

Zitat: Aristoteles

Die Wahrnehmung des Frau-Seins inklusive Behinderung taucht in unserer sogenannten Wissensgesellschaft gerade erst im Augenblick an die Oberfläche. In den 70gern Jahren hatten AktivistInnen bereits „Private“ Gewalt als strukturelle Gewalt mit Ursprung in der generellen Geringschätzung und Benachteiligung von Frauen entlarvt.

1981 thematisierten auch die „Krüppelfrauen“ auf dem sogenannten Krüppeltribunal, welches als die Geburtsstunde der deutschen Behindertenbewegung gilt, ihre Problematik in der Öffentlichkeit: sie betraf das gängige Schönheitsideal, Missbrauch und Vergewaltigung und die gynäkologische Versorgung. Das Sammelband „Geschlecht: behindert, besonderes Merkmal Frau“ ist ein aufrüttelndes und wichtiges Zeitzeugnis. Die Inhaltsthemen verdeutlichen nach-vollziehbar, inwiefern aktuelle und vergangene Welt- und Menschenbilder den Boden einer tabuisierten Gewalt an Frauen mit Behinderung bereiten (haben), welche in Konstellation der sexualisierten Gewalt das Verhältnis Geschlecht und Behinderung extrem strapazieren. Denn Macht und Ohnmacht können sich hier bis zur Unvorstellbarkeit potenzieren [vgl. auch Schildmann, U. (2003). Die behinderten Autorinnen leisten mit ihrer klaren Reflexion der Emanzipation und dem Empowerment von Frauen mit Behinderungen wesentlichen Vorschub.

Der Themenkomplex „Behinderung und Weiblichkeit“ ist seit der Einführung der Frauenforschung in die Behindertenpädagogik 1984 ungleich mehr gewachsen als die Diskussion um das Spannungsfeld Behinderung im Kontext zum Mann.

Die Kategorie „Behinderung“ wird im Allgmeinen für bedeutsamer wahrgenommen als die Kategorie „Geschlecht“. Kategorien bezeichnen hier Trägermerkmale des Menschen. Das Trägermerkmal „Behinderung“ überstrukturiert sämtliche persönliche Lebensnischen wie kein anderes. Deswegen spricht man hier von dem sogenannten Identitäts-Masterstatus Behinderung. Dieser Masterstatus überlagert selbst die Geschlechtszugehörigkeit.

Wie sieht die Realität aus? Schauen wir uns folgende Tabelle aus dem Buch „Gendering Disability. Intersektionale Aspekte von Behinderung und Geschlecht“ von Swantje Köbsell an:

männlich

behindert

weiblich

stark

Schwach

schwach

Aktiv

Passiv

passiv

unabhängig

Abhängig

abhängig

selbstständig

Unselbstständig

unselbstständig

Mutig

Hilfsbedürftig

hilfsbedürftig

„hart“

Kindlich

kindlich

potent

Machtlos

machtlos

attraktiv

Unattraktiv

attraktiv

rational

emotional

Geist

Körper

Körper

Tabelle: Swantje Koebsell. (2009, Februar). (Dr. phil.), Disability Studies, forscht und lehrt zu Behinderung und Gesellschaft/Geschlecht 

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